Perspektive2010

26.03.2007

Dubiose Geschäftspraktiken bei PrimaCall?

Gespeichert unter: Wirtschaft — perspektive2010 @ 15:34:46

Lange war es still, doch nun hat Marcel Bartels vom Parteibuch mal wieder Post bekommen. Dieses Mal ist der Absender jedoch kein Minister oder ein Abmahnanwalt, sondern PrimaCall. Das kann sich aber schnell ändern, denn PrimaCall droht Marcel juristische Schritte an, falls er nicht seinen Artikel BR: Prima abgezockt mit Primacall löscht, in dem er unter anderem auf einen Beitrag (RealPlayer) des BR-Magazins Zeitspiegel verweist. Darin wird beschrieben, dass PrimaCall offenbar unerwünschte Werbeanrufe, so genannte Cold Calls, durchführt - sei es selbst oder durch ein externes Call Center - und dabei telefonisch mündliche Verträge schließen läßt, an die sich auffällig viele Neukunden nicht erinnern können. Zu diesem interessanten Beitrag, in dem auch die Rede davon ist, dass gegen PrimaCall bereits wegen ähnlicher Fälle um die 45 Strafanzeigen vorliegen sollen, gibt es auch schon eine Fortsetzung (RealPlayer). In dem Einzelfall, über den ursprünglich berichtet wurde, soll es sich um einen “bedauerlichen Bearbeitungsfehler” handeln und die Sache erledigt sein. Gleichzeitig häuften sich in der Redaktion des BR-Magazins Zeitspiegel aber Mails anderer Neukunden dieses Anbieters, die ebenfalls Verträge untergeschoben bekommen haben sollen. Außerdem kommt heraus, dass PrimaCall nicht nur wegen diverser Strafanzeigen bei der Berliner Staatsanwaltschaft bekannt ist, sondern eben auch wegen gesetzeswidriger Geschäftspraktiken schon mehrfach Unterlassungserklärungen abgeben mußte.

Pikant wird die Sache aber dann, wenn Zuschauer davon berichten, dass sie von PrimaCall telefonisch mit der Androhung juristischer Schritte unter Druck gesetzt werden, weil sie auf ihrer privaten Homepage auf den Beitrag des Zeitspiegel-Magazins verweisen. Gegenüber den Reportern vom BR war PrimaCall leider nicht so gesprächig: Interviewanfragen wurden von PrimaCall über Wochen hinweg immer wieder negativ oder gar nicht beantwortet. Dabei kann ich gar nicht verstehen, dass sich PrimaCall diese einmalige Möglichkeit entgehen läßt, kostenlos PR zu betreiben. Man könnte doch einfach vor die Kamera treten, sich entschuldigen, die paar Kröten erstatten, sofern Abbuchungen vorgenommen wurden und fertig ist die Kiste. Denn der größte Fehler, den man bei (Krisen-) PR machen kann, sollte altbekannt sein: zum Gehetzten und Getriebenen zu werden, anstatt selbst aktiv die Richtung zu bestimmen. Je mehr man abblockt, desto mehr wird nachgestochert - das sollte auch PrimaCall klar sein. Dabei wirbt man auf der PrimaCall-Website doch mit Slogans wie

Wir leben für gute Kommunikation zwischen Menschen - weltweit.

Sorry, aber dann sollte man das auch wirklich leben und nicht dauerbeleidigt bei Betreibern privater Homepages, Blogs und Foren Telefonterror betreiben oder die juristische Keule schwingen. Das widerspricht doch allem, wofür Primacall nach eigenen Angaben stehen will:

PrimaCall

Richtiger wäre es demnach, interessiert, motiviert, aktiv, aufgeschlossen, lernbereit und mit einer positiven Lebenseinstellung die Kritik seiner Interessenten und Kunden aufzunehmen, um interne Prozesse und das Qualitätsmanagement zu optimieren - also imaalp. Ups, irgendwie klingt das doof. Ob man das deshalb bei PrimaCall nicht versteht? Dann würde ich für den Anfang empfehlen, erst einmal - vor allem in der Öffentlichkeit - zurück zur Sprache der ganzen Wörter und Sätze zu finden, statt bloß den Namen des Unternehmens in Kreuzworträtsel- Manier mit positiven Vokabeln zu verknüpfen. Auch und gerade gegenüber den Medien. Vielleicht will man sich aber demnächst auch mal mit Yahoo Clever anlegen anstatt den eigenen Service zu optimieren oder erneut Webmaster privater Homepages zu belästigen? Denn wie man beispielsweise bei den Verbraucherzentralen so liest, könnte es mit der Telefonwerbung sehr bald vorbei sein. Da wäre es doch nur klug, sich schon frühzeitig auf die sich verändernden Rahmenbedingungen vorzubereiten. Vielleicht könnte man gleichzeitig auch noch an der Art der Mitarbeiterwerbung und -motivation ein wenig feilen?

Denn ich gehe selbstverständlich davon aus, dass es sich bei PrimaCall sicherlich um ein seriöses Unternehmen handelt und die Beschwerden allesamt nur Einzelfälle sein müssen, solange nicht das Gegenteil bewiesen wurde. Immerhin hat PrimaCall nach eigenen Angaben zumindest mündliche Verträge, anstatt Slamming zu betreiben. Meine obige Beratung an PrimaCall erfolgte im Übrigen vollkommen kostenlos - nichts zu danken.

Aber auch meine Leser sollen nicht leer ausgehen. Ich habe heute mal die Spendierhosen an und habe daher noch ein paar

Tipps für Verbraucher

  1. Cold Calls immer abwimmeln, am besten mit einer Trillerpfeife. Das macht man sonst zwar nur bei Stalkern, aber nun gut, so groß sind die Unterschiede ja nicht zwischen hormonell gestörten Spinnern und den Telefonaffen raffgieriger Unternehmen, die Cold Calls zur Neukundengewinnung nutzen, wohl nicht.
  2. Bei Werbeanrufen niemals JA oder JA, ich bin einverstanden sagen! Am besten eine Rückrufnummer oder eine ladungsfähige Anschrift des Anrufers verlangen, in der Regel ist dann das Gespräch sehr schnell beendet.
  3. Niemals das Geburtsdatum und / oder die Bankverbindung bei Werbeanrufen angeben oder bestätigen!
  4. Den Empfang von Postsendungen unbekannter Unternehmen nie mit Unterschrift bestätigen! Vor allem dann nicht, wenn darauf irgendwas in Richtung PostIdent zu lesen ist. Die Annahme verweigern - return to sender!

Übrigens weise ich schon jetzt darauf hin, dass ich jeden möglichen repressiven Kontakt von PrimaCall umgehend mit einer Strafanzeige wegen Nötigung und entsprechender Kontaktaufnahme zum BR beantworten werde.

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