Das Elend der deutschen Arbeitswelt
Kommentar:
Alleine dafür, dass sie solche Arbeitsbedingungen geschaffen haben, hätte heute schon so mancher Vertreter der Arbeitgeberverbände den Tritt ins Genick oder die Kugel zwischen die Augen verdient ![]()
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Alleine dafür, dass sie solche Arbeitsbedingungen geschaffen haben, hätte heute schon so mancher Vertreter der Arbeitgeberverbände den Tritt ins Genick oder die Kugel zwischen die Augen verdient ![]()
Wie bei Perspektive 2010 bereits berichtet wurde, ist das INSM-Watchblog von WordPress zensiert worden, aller Wahrscheinlichkeit nach durch Denunziation von Seiten der Inititiave Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), die inzwischen unter initiative neue soziale marktwirtschaft.wordpress.com (ohne Leerzeichen) Kopien von Artikeln aus dem INSM-Tagebuch veröffentlicht, um die Suchmaschinen zuzumüllen.
Bevor sich die Zensoren und Medien-Manipulatoren nun die Hände reiben können, rufe ich alle Blog-Kolleginnen und -Kollegen zu einer verteilten Link(en) Aktion gegen die INSM und die Zensur des INSM-Watchblogs auf:
1. Alle Artikel über die INSM hier und auf perspektive2010.de sind ab sofort frei unter der Piratenlizenz verfügbar. Somit darf jeder Blogger die entsprechenden Artikel der Kategorien INSM / Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft frei zitieren und kopieren, solange die Artikel unverändert bleiben. Quellenangabe erwünscht, gerne auch mit Backlink.
2. Sichert Euch die Seiten und Texte des INSM-Watchblogs aus dem Google Cache. Die Autoren haben mir gegenüber zugestimmt, dass auch diese Texte ab sofort unter der Piratenlizenz frei zitiert und kopiert werden dürfen, sofern sie nicht verändert werden. Quellenangabe erwünscht, gleichzeitig soll auf den Artikel über die Zensur des INSM-Watchblogs hingewiesen werden, sozusagen als Beleg dafür, wie die INSM die Medien manipuliert und kritische Berichte zensieren will. Hier die Links zum Google Cache:
Mission Statement des INSM-Watchblogs
Wer ist die Inititiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)?
Weitere Projekte des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln
Die letzte Version der ersten Seite des INSM-Watchblogs
Die Artikel optimalerweise mit Tags wie INSM, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Lobbyismus, Medien, Medien-Manipulation, neoliberal, Think Tanks etc. versehen.
3. Übernehmt Links auf Berichte über die INSM aus der Blogroll des INSM-Watchblogs in Eure Blogrolls, ggf. in einer eigenen Kategorie.
Laßt Euch weder den Mund noch das kritische Wort über die INSM verbieten! Zusammen sind wir stärker als dieser verlogene Club der Millionäre und korrupten Politiker!
Im INSM-Watchblog gibt es einen aktuellen Artikel darüber, wie die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft mit Hilfe “wissenschaftlicher Mietmäuler” versucht, die gesetzliche Pflegeversicherung anzugreifen und - wie schon zuvor bei der Rente - die private Vorsorge zugunsten der Finanzwirtschaft als alternativloses und alleine selig machendes Allheilmittel verkaufen will. Besonders interessant sind dabei die direkten Verbandelungen der “Wissenschaftler” und deren Forschungsinstitutionen mit der Versicherungswirtschaft.
Lesebefehl!
Ein Bekannter meinte gestern Abend zu mir, ich solle doch mein Blog samt der zahlreichen Artikel über die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft für einen fünf- bis sechsstelligen Betrag als Suchmaschinenoptimierung an die INSM verkaufen, nachdem das mit dem Bonner Dienstleister bei denen nicht so doll geklappt hat. Angetrunkene BWL- Studenten haben echt lustige Ideen ![]()
Stammleser werden es mitbekommen haben, dass ich neulich in diesem Blog eine Themenwoche über die Lobby-Organisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) veranstaltet hatte. Aus dieser Themenwoche sind insgesamt 19 Artikel hervorgegangen, die einen Ausschnitt des sichtbaren Wirkens der INSM in der Öffentlichkeit und in der Politik beschreiben. Da zu diesem Zeitpunkt gerade die die Studiengebühr-PR der INSM unter www.unicheck.de an den Start ging, ist teilweise auch Unicheck in einzelnen Artikeln thematisiert worden. So mancher Leser wird sich fragen, welchen Sinn diese Themenwoche hatte und ich werde diese Frage nachfolgend beantworten.
Zunächst war mein primäres Anliegen, zumindest in der Blogosphäre ein Basiswissen und vor allem ein Bewußtsein darüber aufzubauen, wer die INSM ist, was sie tut und welche Ziele sie verfolgt. Dazu angespornt wurde ich durch den zufälligen Fund der Punkteliste, die ein Bonner Dienstleister, der unter anderem Suchmaschinenoptimierung anbietet, für die INSM erstellt hatte. Bald berichteten auch andere Blogs über den durchaus interessanten Fund und Marcel von Mein Parteibuch war so freundlich, aus den Dateien die Links der kritischen Berichte über die INSM zu extrahieren, die er als Linkliste zur Verfügung stellte. Diese Linkliste fand dann auch eine gewisse Verbreitung in politischen Blogs. Insofern war mein primäres Anliegen praktisch erledigt. Allerdings fragte ich mich, warum die Massenmedien so häufig tendenziell eher positiv über die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) berichten oder gar auch Pressemitteilungen 1:1 übernehmen. Mit kritischem Journalismus und eigener Recherche hat das jedenfalls wenig zu tun. Ich würde dieses Vorgehen eher als ein sinnloses Füllen der Spalten zwischen den Werbeanzeigen bezeichnen. Einige Medien kooperieren auch direkt mit der INSM, wahrscheinlich auf Grund von Übereinstimmungen mit den Ansichten der Eigentümer oder der Redaktion. Auf diesem Wege wird Journalismus ad absurdum geführt und praktisch unreflektiert einseitige Werbung betrieben, ohne dass sie als solche gekennzeichnet wäre. Meist erfahren die Leser nämlich eben nicht, wer die INSM ist, wer dahinter steckt und welche Ziele sie sich auf die Fahnen geschrieben hat.
Ich habe zwar durchaus Verständnis dafür, wenn in Redaktionen auf Grund des Konkurrenzdrucks auf Teufel komm raus gespart wird, an Arbeitskräften ebenso wie an den verfügbaren Zeit- und Kostenrahmen für eigene Recherche. Dennoch sollte es nicht zuviel verlangt sein, mit Hilfe von Google, Wikipedia, LobbyControl, NachDenkSeiten oder anderen Diensten nach Begriffen und Personen zu suchen und so in seinen Artikeln zumindest eine halbwegs objektive Sicht wahren zu können. Alles andere ist nichts weiter als unkritisches Abschreiben von PR-Meldungen und hat mit Journalismus so viel zu tun wie banale Werbung oder debiles Shopping-TV.
Es ist aber nun nicht so, dass die INSM und ihr Netzwerk besonders neu wären. Auch an der angemessenen Kritik fehlt es schon seit Jahren nicht - allerdings sucht man selbige in den Massenmedien vergeblich, wenn man von vereinzelten Berichten bei den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern absieht. Im Dezember 2005 zeichnete die Hamburg Media School den Kommunikationswissenschafts- Absolventen Christian Nuernbergk für seine Abschluss-Arbeit über die Arbeitsweise der INSM und des Umgangs der Medien mit deren Pressemitteilungen mit einem Preis aus:
Wie die PR-Kampagne der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft mit journalistischer Hilfe die veröffentlichte Meinung beeinflusst, konnte Christian Nuernbergk am Beispiel von elf Meinungsführermedien aufdecken. In seiner Studie “Die Mutmacher” beleuchtet er, warum die Initiative trotz mangelnder Transparenz für gute Presse sorgen und sich darüber hinaus ein Image von Überparteilichkeit und Kompetenz geben konnte. Dafür war nicht nur der äußerst geschickte Einsatz verschiedener PR-Instrumentarien verantwortlich, sondern vor allem der kritiklose Umgang vieler Journalisten mit dem PR-Material. Über ein halbes Jahr lang analysierte Nuernbergk die Pressemitteilungen der Initiative und verglich sie mit der Berichterstattung, die sich als überwiegend undifferenziert und einseitig positiv herausstellte. Häufig versagten die Kontrollmechanismen der freien Presse: Die Positionen der Initiative wurden unkritisch übernommen, eigene Recherchen blieben aus, alternative Sichtweisen kamen nicht vor.
Wie bereits erwähnt, das war der Stand im Dezember 2005. Die frühesten Berichte über die INSM auf den NachDenkSeiten datieren von Ende 2003 / Anfang 2004. Bei LobbyControl ging es Mitte 2005 mit der Berichterstattung über die INSM richtig los. Warum also weigern sich die Massenmedien - von wenigen Ausnahmen abgesehen - so vehement auch kritisch über die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zu berichten? Dazu gibt es einen interessanten Artikel in der Wochenzeitung Freitag, in dem darüber berichtet wird, wie die INSM versucht Journalisten und Redaktionen zu bedrängen und einzuschüchtern, wenn diese kritisch über die INSM schreiben:
Gern sagt die Initiative kritischen Journalisten Gewerkschafts- oder Parteinähe oder andere angebliche Befangenheiten nach. Damit versuchen die PR-Profis, die Qualität der Arbeit und die Glaubwürdigkeit des Journalisten in Frage zu stellen. Diese Praxis komme aus den USA, nenne sich dort “Blaming” und würde bei uns erst neuerdings angewendet werden, um Kritiker hart zu bekämpfen, erklärt Thomas Leif.
(…)
“Enzweiler sagte später ganz offen zu mir, dass die Initiative zu anderen Mitteln greife, wenn sie mit ihren Einwänden gegen kritische Berichterstattung nicht durchdringe”, erinnert sich Lilienthal.
Das sind recht unfeine Methoden, die man aus einem solchen Kreis hochwohlgeborener Erben, Industrieller, Unternehmer, Akademiker, Prominenter und Politiker nicht erwartet hätte. Ich habe etwas gegrübelt, was Tasso Enzweiler, ein früherer Geschäftsführer der INSM, mit seiner Äußerung gegenüber dem Journalisten Volker Lilienthal gemeint haben könnte. Nun, es dürfte für die INSM mit ihren illustren Köpfen sehr leicht sein, diverse Unternehmen darin zu beeinflussen, wo sie ihre Werbeanzeigen und -Spots schalten. Allerdings dürfte der Evangelische Pressedienst (epd) darauf nicht unbedingt angewiesen sein, da die Kirche im Hintergrund finanzkräftig genug sein sollte. Was also meinte Enzweiler? War dies eine Bedrohung gemäß § 241 StGB? Wahrscheinlich nicht, denn es fehlt die konkrete Androhung eines Verbrechens als Tatbestandsmerkmal. Dennoch hinterläßt diese Drohung einen üblen Beigeschmack und die Frage, ob man es bei der INSM mit einer Lobby-Organisation zu tun hat oder potentiell mit organisierter Kriminalität. Allerdings gibt der Bericht keine weiteren Details her, so dass man darüber nur spekulieren kann.
Was bleibt also übrig von der Themenwoche über die INSM? Nun, auf jeden Fall 19 frei zugängliche Artikel, die auch jeder Journalist problemlos und schnell auffinden kann, wenn er das nächste Mal eine Pressemitteilung der INSM verarbeitet. Da wäre es doch ein erfreulicher Fortschritt, wenn die Berichte zukünftig - zumindest in Nebensätzen - den Hinweis enthielten, dass es sich bei der INSM um ein PR-Spielzeug der Arbeitgeber- Verbände handelt, die vorrangig wirtschaftsliberale Ziele verfolgen und mit besonderer Vorliebe “wissenschaftlich” unterfütterte Märchen verbreiten, mit denen sie unter dem Schlagwort “Reformen” die Abschaffung des Sozialstaates ebenso forcieren wie die Abschaffung von Unternehmenssteuern und Tarifverträgen.
Weiterhin ist - wahrscheinlich von Lesern dieses Blogs - ein INSM-Watchblog eingerichtet worden, das nicht nur die Aktionen der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft kritisch beobachten und kommentieren will, sondern auch schon alleine auf Grund der zahlreichen Links zu kritischen Berichten über die INSM auf jede Blogroll gehören sollte. Dort ist derzeit ein sehr aufschlussreicher Artikel darüber zu finden, wie die INSM mit “wissenschaftlicher” Unterstützung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln gegen den Mindestlohn zu Felde zieht, weil Geiz und Lohndumping ja so geil sind. Dabei kommen auch Verbindungen mit anderen Instituten und Institutionen zum Vorschein, so dass man zu dem Schluss gelangen könnte, dass die Knotenpunkte des neoliberalen Netzwerks die zahlreichen Wirtschaftsforschungsinstitute sein könnten, die jeweils mehr oder weniger direkt mit der Wirtschaft verbandelt sind.
In Sachen Mindestlohn empfehle ich hingegen diese Initiative der SPD, wo es auch gleich 10 gute Gründe für den Mindestlohn gibt. Wie man hingegen wie die INSM zu der irrigen Annahme kommen kann, dass die Lebenszeit von Menschen so wenig wert sei, dass sie vom Verkauf dieser Zeit nicht einmal überleben können sollen, will sich mir nicht erschließen. Vielleicht habe ich aber auch nur nicht so viel Geld, dass es mir den Charakter verderben könnte.
Damit ist das Thema INSM hier erst einmal erschöpft, solange keine besonders berichtenswerten Ereignisse eintreten sollten. Ich habe eine Basis geschaffen, der Rest wächst durch die Arbeit anderer weiter. Ich will mich in den nächsten Tagen lieber mit der Entwicklung eines positiven Gesellschaftsmodells für die Zukunft beschäftigen, das man dem neoliberalen Unfug entgegensetzen kann. Konzepte wie das bedingungslose Grundeinkommen packen meines Erachtens die Probleme nicht so recht an der Wurzel, auch wenn die Richtung schon einmal stimmt. Es gibt noch viel zu tun, packen wir es an…
Lange Zeit waren die Kirchen eine Art außerparlamentarisches Regulativ in Sachen soziale Gerechtigkeit. Dies erstaunt nicht, wird in der Bibel doch davon berichtet, dass Lattenjupp J. vor allem zu den Armen, Alten und Schwachen ging, ihnen Trost und Hilfe spendete, während er die Reichen und Gierigen verdammte. “Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass ein Reicher ins Himmelreich kommt” ist nur eines von vielen Zitaten von J. über die Reichen und Mächtigen seiner Zeit. Umso erstaunlicher war für mich hingegen, dass es beim Raubbau an der sozialen Absicherung im Rahmen der Reformen aus dem rot-grünen Paket der Agenda 2010, also z.B. Hartz-Gesetze und Gesundheitsreform, kaum Widerspruch oder Protest von den Kirchen gab.
Was war passiert?
Nun, man könnte es in einem Satz so ausdrücken: Die INSM hat die Kirchen auf Linie gebracht. Hans Tietmeyer, Kuratoriumsvorsitzender der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und ehemals Präsident der Bundesbank, war im Oktober 2001 Hauptredner bei der Tagung des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) zum Thema Soziale Marktwirtschaft. Im Dezember 2001 veröffentlichte Tietmeyer bei der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle die Broschüre “Besinnung auf die Soziale Marktwirtschaft”. Beide Male wandte sich Tietmeyer gegen die einseitige Interpretation des Sozialen als Verteilungsgerechtigkeit und plädierte für mehr “Eigenverantwortung”. Umgekehrt wurde Kardinal Lehmann im Juni 2002 als erster Redner zu den Ludwig Erhard-Lectures eingeladen, die die INSM neu ins Leben gerufen hatte.
Lehmann berief Hans Tietmeyer zusammen mit Paul Kirchhof (damals noch INSM-Botschafter) in den neunköpfigen Beraterkreis für ein neues Papier der katholischen Kirche zum Sozialstaat. Der Impulstext “Das Soziale neu denken” der katholischen Bischöfe wurde im Dezember 2003 veröffentlicht und präsentierte über weite Strecken eine neoliberal geprägte Analyse eines Reformstaus und die Kritik an einem unüberschaubaren Dickicht von Transferleistungen. Dies bedeutete einen deutlichen Richtungswechsel der Kirchen beim Thema soziale Gerechtigkeit – befördert durch die INSM. Das Impulspapier wurde und wird ebenfalls über die der CDU/CSU nahestehende Konrad-Adenauer-Stiftung verbreitet. Dass Kardinal Lehmann dann noch Ende Oktober 2004 Hans Tietmeyer medienwirksam zum 75. Geburtstag gratulierte, versteht sich von selbst.
Wer nun denkt, dass dies ein Einzelfall sei, der vielleicht durch persönliche Bande zwischen Lehmann und Tietmeyer passieren konnte, der irrt. Denn im September 2006 wurde Hans Tietmeyer als neuer Chef der Vatikanbank gehandelt, weil Papst Benedikt XVI. die Finanzgeschäfte des Vatikans neu regeln wollte. Seinerzeit gab es wohl einen Finanzskandal, da der verstorbene Erzbischof Paul Marcinkus der Vatikan-Bank mit Mafia-Kontakten schweren Schaden zugefügt haben soll. Zur Information: Es gibt ca. 40.000 kirchliche Konten mit einem Volumen von 5 Milliarden Euro. Das heißt, diese Konten umfassen aller Wahrscheinlichkeit lediglich die Geldmittel des Vatikans. Dazu kommen unzählige in grauer Vorzeit bei Kreuzzügen und Menschenschlachterei in Südamerika rechtswidrig erbeutete Kunstschätze, Schmuck, Juwelen, Edelmetalle wie Gold und nicht zuletzt die zahlreichen Immobilien des Vatikans weltweit. Kurzum, der Vatikan ist neben einem machtgierigen Budenzauber - Opium fürs Volk - auch eine wirtschaftlich nicht zu unterschätzende Macht auf dieser Welt. Durch Verbindungen zu nahezu allen Nationen und einflussreichen Köpfen dort sichert sich der Vatikan seine Macht und seine nur allzu weltlichen Pfründe. Inwiefern die Einführung von Gebühren für den Kirchenaustritt auch auf einem solchen fruchtbaren Misthaufen aus Verbindungen zwischen Vatikan und hiesigen Politikern gewachsen ist, war leider nicht zu ermitteln. Dumm nur, dass so die grundgesetzlich zugesicherte Glaubensfreiheit im Sinne von Freiheit vom Glauben für viele Menschen nicht realisierbar ist, beispielsweise für Arbeitslose und Rentner mit geringen Bezügen (zugegeben, letztere Gruppe tritt eher selten noch aus der Kirche aus).
Kirche und Wirtschaft
Natürlich ist auch das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln bei dieser Aktion mit an Bord. Wie ich über einen Bericht im INSM-Watchblog herausfand, betreibt das IW Köln - rein zufällig natürlich - die Website Kirche und Wirtschaft, die sich nach eigenen Angaben des IW Köln mit Wirtschaftsethik befasst. Wer sich die aktuelle Ausgabe des Informationsdienstes “Kirche und Wirtschaft” als PDF-Datei herunterlädt, der bekommt neben dem Logo des IW Köln auch das Logo der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) zu Gesicht. Offenbar wurden in dieser Publikation vom IW Köln also lediglich die Positionen des BDA kirchengerecht verpackt. Unter den weiteren Publikationen auf dieser Website finden sich Titel wie “Markt hat Moral” und “Natur als Rohstoff und Schöpfung” - hier der Beschreibungstext von Markt und Moral:
Eigenverantwortung und Leistung zählen zu den wesentlichen Schnittmengen zwischen Wirtschaft und Ethik, Markt und Moral. Eigenverantwortung wird dabei als Pflicht aller verstanden, die in der marktwirtschaftlichen Ordnung leben. Sie beinhaltet zunächst die Frage, was der Einzelne selbst für sich und seine Familie tun kann, bevor er auf Elemente der sozialen Sicherung zurückgreift. Leistungsorientierung ist somit nicht nur ein Beitrag zur individuellen Karriere, sondern auch praktizierte Nächstenliebe für das Gemeinwesen.
Der Tenor ist klar: Eigenverantwortung und Leistung, Pflicht zum Leben in der Marktwirtschaft und immer schön auf soziale Absicherung verzichten. Die Art und Weise wie in diesem Text der Begriff der Nächstenliebe pervertiert wird, treibt mir glatt den Mageninhalt nach oben.
Fazit
Wie man sieht, hat die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) unter Zuarbeit des Instituts der deutschen Wirtschaft wirklich ganze Arbeit geleistet. Neben Politikern und Medien hat man also auch Lehrer, Jugendliche und die Kirchen beackert, um ihnen die eigenen neoliberalen und sozialstaatsfeindlichen Konzepte als vermeintlich sozial zu verkaufen. Bislang war es so, dass Begriffe mit dem Präfix neu- bzw. neo- meist alten Mist in neuem Gewand bezeichneten, zum Beispiel Neo-Nazis. Bei der Initiativen Neue Soziale Marktwirtschaft ist es anders, denn da bedeutet das Neue Soziale im Kern das glatte Gegenteil dessen, wofür der Begriff sozial eigentlich steht. Gleiches gilt für den Neoliberalismus, denn der ursprüngliche Liberalismus meinte einmal die Freiheit der Menschen unter den Bedingungen der Chancengleichheit, so dass sich jeder frei entfalten könne. Der Neoliberalismus hingegen meint nur noch die grenzenlose Freiheit des Kapitals und der wirtschaftlich Starken bei gleichzeitig zum Kult erklärter Verantwortungslosigkeit gegenüber allen anderen Menschen und dem Gemeinwesen.
Bei meinen Recherchen fand ich aber auch einige Diskussionspapiere aus Kirchenkreisen, die das Pamphlet, das Hans Tietmeyer und die Bischöfe da erarbeitet hatten, scharf kritisierten:
Der Text soll offenbar helfen, den Weg für weitere Sozialkürzungen zu bereiten. Reformvorschläge, die den oberen Einkommensgruppen etwas abverlangen, sucht man dagegen vergeblich. Mit dieser politischen Grundaussage und mit dem Bild, das sie vom Sozialstaat zeichnen, distanzieren sich die Autoren von der katholischen Tradition der Sozialpolitik und der Sozialethik, die gegen die wirtschaftsliberale, ursprünglich calvinistische Betonung des individuellen Erfolgs und der Eigenverantwortung in den letzten 100 Jahren immer wieder den Sinn und den Bedarf eines sozialen Ausgleichs über sozialstaatliche Instrumente verteidigt hat. Zugleich beziehen sie eine Position, die im Widerspruch zum ökumenischen Sozialwort von 1997 steht. Darin hatten die deutschen Bischöfe gemeinsam mit dem Rat der EKD im Anschluss an einen langen, breiten und intensiven Konsultationsprozess die wirtschaftliche Produktivität und die demokratische Notwendigkeit eines starken Sozialstaates hervorgehoben. Auch wenn das Sozialwort in Deutschland den aktuellen ökumenischen Stand kirchlicher Sozialverkündigung zu Sozialstaatsfragen markiert, steht es den Vertretern einer der beiden Kirchen natürlich frei, die eigene Position im konfessionellen Alleingang weiter zu entwickeln. Wer sich jedoch im eklatanten Widerspruch zum Sozialwort äußert, steht in der Pflicht, die Gründe aufzuzeigen, die eine solche, völlig veränderte Positionierung begründen können. Da das Impulspapier „Das Soziale neu denken“ genau dies nicht leistet, ist es nicht als eine fundierte Stellungnahme der Kirchenleitung zu werten, sondern nur als ein provokanter, in vielen Punkten noch nicht durchdachter Diskussionsanstoß aus den Reihen der katholischen Kirche. (Quelle / PDF)
Schön, der wirtschaftsliberale Dreck wurde zumindest angemessen kritisiert. Wichtiger dürfte jedoch sein, welche Position sich letztlich wo durchgesetzt hat. Denn auch in den Kirchen dürften - wie bei den Parteien - Welten zwischen dem Fußvolk und den führenden Köpfen liegen. Vielleicht finde ich dazu noch etwas in der weiteren Recherche.
Es stehen derzeit noch 2-3 Artikel über die INSM und Unicheck aus, an denen ich aus zeitlichen Gründen erst wieder ab Mittwoch bis Freitag weiterarbeiten kann. Nur falls sich jemand fragt, wo die angekündigten Artikel vom Wochenende sind
Zwischenzeitlich berichten weitere Blogs über Unicheck und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft:
Ich berichtete heute Mittag über Reinhard Bütikofer, einen Politiker der Grünen, der sich erfolgreich gegen die Verwurstung seiner Person durch die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft wehrte und deren neoliberale, marktradikale Politik ablehnt. Es gibt aber auch noch einen anderen Grünen. Ob der nun wirklich noch politisch grün ist oder ob er nur deshalb noch in der Partei ist, um sich besser für die INSM verkaufen zu können, sei dahingestellt: Oswald Metzger, über den bei Wikipedia folgendes zu lesen ist:
Der Tagesspiegel vermutet in einem Artikel von Harald Schumann eine materielle Beziehung in Form von Auftragsvermittlungen der INSM u.a. an Oswald Metzger: „Die Allianz von Prominenz und PR folgt dem Prinzip der gegenseitigen Instrumentalisierung. Die ‘Botschafter’ propagieren einzelne Slogans der ‘Initiative’ und verschaffen ihr Glaubwürdigkeit. Im Gegenzug fungieren berolino.pr sowie Scholz & Friends als Agenten, die ihren Schützlingen zu guten Auftritten und Medienpräsenz verhelfen.“
Dieser Vermutung schließe ich mich an. Denn meiner Meinung nach ist es vollkommen egal, wer die Vorträge von Metzger bezahlt, es geht ja immer wieder nur um das gleiche platte Geschwafel nach dem Schema Mehr Reformen! und Der Sozialstaat muss weg! Ok, letzteres sagt niemand dieser Leute offen, aber das dürfte nach meiner Einschätzung durchaus eines der Ziele der INSM sein. Denn was weg ist, kann die Arbeitgeber ja nichts mehr kosten. Außerdem wage ich zu bezweifeln, dass Metzger weiterhin seine luxuriös vergüteten “Vorträge” vermittelt bekäme, wenn er nicht mehr als Botschafter der INSM durch die Öffentlichkeit wandelte.
Beim NDR gibt es einen Bericht über die INSM, in dem auch Oswald Metzger unter die Lupe genommen wird. Titel: Einseitige Parolen - Arbeitgeber finanzieren journalistische Inhalte. Den Bericht gibt es übrigens auch als Video, in dem Oswald Metzger alles andere als eine gute Figur macht. Zunächst erzählt er stolz und freimütig von seinem ordentlichen Honorarsatz in Höhe eines durchschnittlichen Monatsgehalts pro Abend. Angesprochen auf seine Rolle für die INSM antwortet er ausweichend mit einer Gegenfrage:
“Sind Sie von Attac bezahlt? Ich will jetzt Ihnen nur spiegeln wie ich das empfinde, was sie grad machen. Also ich find das fast unverschämt.”
Gähn. Erstens ist Attac unabhängig. Zweitens vergibt Attac keine luxuriösen Nebenjobs für Leute wie Metzger, die außer einem abgebrochenen Jura-Studium und Politik im Leben nichts geleistet haben. Na gut, da ist noch sein Geschreibsel in einem Buch mit dem Titel Einspruch, aber auch da tritt Metzger vorrangig die üblichen Mehr Markt! - Plattitüden breit. Man könnte es aber auch einfach als eine Art Werbebroschüre für Neoliberalismus und Marktradikalismus bezeichnen. Erschienen übrigens in der Verlagsgruppe Random House, die zu Bertelsmann gehört. Dann ist da noch Metzgers Hinweis auf das Spiegeln. Wenn man einmal davon absieht, dass so ein hauptberuflicher Lobbyist in meinen Augen noch am ehesten eine Darmspiegelung mit einem angespitzten Flaggenmast verdient hätte, ist diese Äußerung wohl bezeichnend für Metzgers besonders wertvolle Kompetenz. Das Spiegeln in der Kommunikation ist ein Begriff aus der Neurolinguistischen Programmierung (NLP), einer in Manager- und Verkäuferkreisen seit geraumer Zeit besonders trendigen Methode in der Kommunikation, garniert mit einem Touch Esoterik. NLP verspricht beispielsweise Schlagfertigkeit und Überlegenheit in diversen Situationen der Kommunikation, z.B. in Diskussionen oder Verkaufsgesprächen. Ich habe selbst ein mehrtägiges Grundlagen-Seminar zu NLP besucht und halte das Ganze für eine lächerliche Dampfplauderei und eine wohlklingend verpackte Professionalisierung von Heuchelei mit dem Ziel der Manipulation des Kommunikationspartners. Faire und offene Kommunikation sieht jedenfalls anders aus. Aber irgendwie passt das mit der Manipulation ja auch wieder gut zur INSM, oder? Im Übrigen wäre es interessant, ob Metzger die Frage des NDR-Reporters auch dann unverschämt gefunden hätte, wenn er anstatt für die INSM für die NPD unterwegs wäre. Wahrscheinlich schon, allerdings ändert das schlichtweg nichts an den Fakten. So schlagfertig und überlegen ist man also mit NLP - grandios!
Genug gealbert. Inzwischen gibt es auch bei der Tageszeitung jungeWelt einen Artikel zum Thema Unicheck.de, in dem neben der INSM auch das Magazin UNICUM angesprochen wird:
Bis man sieht, daß für die Internetseite Unicheck.de, auf der »abgestimmt« und »mitbestimmt« werden soll, die »Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft« (INSM) verantwortlich zeichnet – eine einflußreiche neoliberale Lobbyorganisation, die auf Medienmanipulation spezialisiert ist. Ein Höhepunkt ihres Schaffens war die Zahlung fünfstelliger Eurobeträge an die ARD, die sich damit bedankte, Figuren ihrer Seifenoper »Marienhof« unter anderem Lobeshymnen auf »Eigeninitiative«, unbezahlte Überstunden und Zeitarbeit in die Münder zu legen.
Bei Unicheck.de sollen sich Studierende nun darüber informieren und austauschen, wie von den Universitäten eingenommene Studiengebühren wieder ausgegeben werden. »Wir diskutieren nicht mehr, ob Gebühren oder nicht, sondern jetzt sind sie da und wir schauen, was wird mit Eurem Geld gemacht«, zitiert der Unispiegel eine Ankündigung der Betreiber. Die kritiklose Anerkennung von Studiengebühren, die ja tatsächlich erst in fünf Bundesländern »da« und höchst umstritten sind, wird zum Akt der Emanzipation umgeschminkt – allen Ernstes mit einem Megaphon als Logo und dem Slogan »Zeig der Uni deine Macht«.
Ebenso hat Die Linke im POLIXEA-Portal eine Stellungnahme zum Thema Studiengebühren und Unicheck.de veröffentlicht:
Das neue Online-Portal www.unicheck.de ist ein weiterer billiger Versuch, Studiengebühren als Normalität erscheinen zu lassen und den Protest gegen ihre Einführung zu schwächen. Hinter dem Projekt steht die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), die bereits in der Vergangenheit immer wieder als Lobbyverband zur Einführung von Studiengebühren aufgetreten ist. Sie behauptet, neutral und überparteilich zu sein. Finanziert wird sie jedoch vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall.
Die Strategie des Projekts von www.unicheck.de ist leicht zu durchschauen: Mit dem Motto “Abstimmen. Mitbestimmen.” wird den Studierenden vorgemacht, hier hätten sie was zu sagen. Statt gegen Studiengebühren auf die Straße zu gehen und für gebührenfreie Bildung zu kämpfen, sollen sie brav ihre Gebühren zahlen und dann bei unicheck.de ein paar Kreuzchen machen. Studierende wollen Gebühren zahlen, die in die Lehre fließen, so die Botschaft der Arbeitgeberlobby. Das ist eine Verdrehung der Tatsachen. Es geht den Studierenden nicht um eine andere Verwendung der Gebühren. Sie fordern stattdessen ein gebührenfreies Studium.
Hoffen wir, dass sich diese klare Sicht auf die INSM und deren Propaganda auch noch in der neoliberalen Einheitspartei CDUCSUSPDFDPGrüne und in der Großen Korruption in Berlin durchsetzt. Ein guter Anfang wäre es, wenn zumindest bei den Parteien, deren Namen nicht mit C oder F beginnen, INSM-Lobbyisten aus der Partei ausgeschlossen würden. Und da sollten die Grünen mit Oswald Metzger den ersten Schritt machen. Das würde zwar wahrscheinlich nicht seine Tätigkeit für die INSM beenden, aber vielleicht zumindest seine Vortragshonorare schrumpfen lassen. Warum wohl?
Die INSM-Woche bei Perspektive2010 neigt sich fast dem Ende zu, aber einige Kugeln sind noch im Lauf - am Wochenende hat’s etwas mehr Zeit fürs Bloggen. Dennoch will ich heute noch auf drei Websites über die INSM hinweisen:
Ausgearbeitet werden die Kampagnen von der Werbeagentur Scholz & Friends in Berlin. Im Grunde ist die INSM eine Erfindung von Scholz & Friends. Die Agentur designt nicht nur die Anzeigen, sondern ist auch mit strategischer Beratung behilflich. Bis zu 60 Mitarbeiter der Agentur werden am Projekt INSM beschäftigt. Scholz & Friends betreibt sogar eine Redaktion für den Internetauftritt der INSM. Dort werden Nachrichten aus Politik und Wirtschaft aufbereitet und kommentiert - jetzt sogar mit einem Nachrichtenticker.
Dass dabei die Grenzen zwischen Journalismus und Werbung verschwinden, stört niemanden. Aus den Meinungsbeiträgen von Tietmeyer, die in verschiedenen Tageszeitungen erscheinen, zitieren Nachrichtenagenturen und andere Zeitungen ohne auf den Entstehungskontext hinzuweisen. Durchlässig werden die Grenzen auch durch Medienpartnerschaften. Mit der Wirtschaftswoche betreibt die INSM zusammen ein Reformbarometer. Wissenschaftler bewerten dort monatlich die Umsetzung der angekündigten Reformen. Mit dem Wirtschaftsmagazin impulse zusammen hat die INSM einen Journalistenpreis ausgelobt. Journalisten bekommen Preise für ihre Darstellung der Verkrustungen des deutschen Wirtschafts- und Sozialsystems, für ihre Berichte über den Meisterzwang im Handwerk und für die Serie “Bremsklotz Bürokratie” im Handelsblatt. Weitere Partnerschaften gibt es mit dem Focus, mit der Hörzu, mit zahlreichen Lokalzeitungen und mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS).
tadema brandaktuell: INSM - Negativschlagzeilen häufen sich
“Deutschland ist Schlusslicht”, so schrecken uns die Alarmrufe unserer Wirtschaftsexperten. Von Arbeitgebern finanzierte Propaganda-Agenturen wie die “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” bläuen uns ein: Deutschland ist am Ende, wenn wir nicht die Löhne senken, Sozialleistungen kürzen, Unternehmenssteuern senken, der Markt kann alles besser als der Staat. Und die meisten Medien krächzten die Angstparolen wie Papageien nach: Der Sozialstaat und Gewerkschaften sind am Elend schuld. Die Politiker und Parteien wurden weich geklopft, das zu “reformieren”.
Die plumpe Kampagne wird zum Glück verpuffen. Die Wähler haben den “Systemveränderern von oben” gezeigt, dass sich das Volk, der “alte Lümmel”, nicht für blöd verkaufen lässt. (Wolfgang Lieb, Nach- DenkSeiten)
Die letzte Info für heute werden aufmerksame Leser bereits in der Blogroll ausgemacht haben: Es gibt inzwischen ein INSM-Watchblog:
So wie die obige Landschaft liegt auch Deutschland seit geraumer Zeit im Nebel. In diesem Nebel agieren Lobbyisten, Denkfrabriken (Think Tanks), korrupte Politiker sowie käufliche Medien und Menschen auf für den durchschnittlichen Bürger nicht erkennbare Art und Weise. Er bekommt lediglich das meist für ihn negative und belastende Ergebnis dieser Mauscheleien in Form von Reformen und Gesetzen aufgebürdet, die seine Bürger- und Menschenrechte beschneiden, während die Akteure im Nebel sich die Hände reiben und abkassieren. Einer der Akteure im Nebel ist die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft oder kurz INSM, die vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall mit knapp 10 Mio. Euro pro Jahr ausgestattet wird, um neoliberale Propaganda in Medien und Gesellschaft zu verstreuen. Dazu betreibt sie zusammen mit dem Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, dem Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) aus Bonn und anderen Mitgliedern in deren Netzwerk diverse Projekte, die jeweils einzelne Zielgruppen und Themenbereiche abdecken. So gibt es beispielsweise spezielle Angebote für Jugendliche und Lehrer sowie seit dem 11. April 2007 die Website Unicheck.de, welche die Studenten gebührenfreundlicher stimmen soll.
Dieses Blog soll daher dazu dienen, die Verdummungskampagnen und die neoliberale Propaganda der INSM in ihre Einzelteile zu zerlegen, damit diese nur noch so wenig Einfluß wie möglich auf die Menschen ausüben kann - zumindest bei denen, die Internetuser sind. Ansonsten gilt: Weitersagen und Mund aufmachen, wenn irgendwo wieder neoliberaler Brei als Nachricht, angebliche Wahrheit oder vermeintlich alternativloses Konzept verbreitet wird.
Dort gibt es auch interessante Informationen über Projekte des IW Köln, das der INSM “wissenschaftliche” Ergüsse liefert. So entsteht ein schönes Gesamtbild dieses neoliberalen Konglomerats.
Der Autor des Watchblogs nennt sich INSM-Sniper. Als Sniper bezeichnet man einen Scharf- oder Todesschützen. Na, dann wünsche ich schonmal Weidmanns Heil, eine hohe Trefferquote und gutes Gelingen!
Tom Schimmeck, seines Zeichens taz-Gründer, hat im Medienecho Arschlochalarm in Berlin thematisiert:
Es war wieder nur ein Traum. Aber eine Zeit lang hatte ich wirklich geglaubt, dass eine Hauptstadt Berlin den deutschen Köpfen gut tun, ihnen mehr Farbe und Gedankentiefe bescheren würde. Aber die Macher der Mitte, Journalisten in erster Linie, sind seit langem auf dem Marsch in die Merkel-Republik. (…)
Die Realität? Ein Albtraum. Man braucht nur im letzten Sommersonnenlicht die Friedrichstraße herunterzubummeln. Eine Mischung aus Gucci und Ernst & Young hat sich hier festgesetzt - Boutiquen, Firmenvertretungen, Immobilienholdings, Brand Consultancys, Cocktailbars. Kein Problem, ein fesches Jackett für 2.500 Euro zu shoppen. Aber schwer, ein nettes Gesicht zu finden, das einen geraden Satz herausbringt. Wo ist der George Grosz, der diese Szene malt?
Dabei kommt Schimmeck auch auf die INSM und andere neoliberale Lobbyisten in Berlin zu sprechen:
Wer sich in den Dschungel der Marktwirtschaftsguerilla von Mitte begibt, staunt über das rege Zusammenspiel. Die “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” (INSM) hat Kooperationen mit vielen Zeitungen und TV-Anstalten. Man lässt Lectures halten, wo zum Beispiel ein Lord Ralf Dahrendorf verkünden darf, dass die “alte soziale Marktwirtschaft” nun “am Ende” sei. Man verleiht Preise wie den “Reformer des Jahres” und den “Blockierer des Jahres”. Man organisiert Symposien, sponsert Filme und Publikationen. Das Ziel: ein Maximum an Showtime ergattern.
Die INSM steht nicht allein. Organisationen wie “Marke Deutschland”, der “Bürgerkonvent” und “Deutschland packt’s an” stoßen ins gleiche Horn. Man hat sogar einen Dachverband gegründet, die “Aktionsgemeinschaft Deutschland”. Beim Anpackerverein, unter Schirmherr Roman Herzog, sind alle dabei, die Rang und Namen haben: der BDI, DaimlerChrysler, Kienbaum, wieder Scholz & Friends, dazu das komplette Privatfernsehen, das ZDF und fast alle Verlage.
(…)
Und alle sagen unisono: “Die Arschlochquote steigt.”
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen…