Medienecho: Arschlochalarm in Berlin

Tom Schimmeck, seines Zeichens taz-Gründer, hat im Medienecho Arschlochalarm in Berlin thematisiert:

Es war wieder nur ein Traum. Aber eine Zeit lang hatte ich wirklich geglaubt, dass eine Hauptstadt Berlin den deutschen Köpfen gut tun, ihnen mehr Farbe und Gedankentiefe bescheren würde. Aber die Macher der Mitte, Journalisten in erster Linie, sind seit langem auf dem Marsch in die Merkel-Republik. (…)

Die Realität? Ein Albtraum. Man braucht nur im letzten Sommersonnenlicht die Friedrichstraße herunterzubummeln. Eine Mischung aus Gucci und Ernst & Young hat sich hier festgesetzt – Boutiquen, Firmenvertretungen, Immobilienholdings, Brand Consultancys, Cocktailbars. Kein Problem, ein fesches Jackett für 2.500 Euro zu shoppen. Aber schwer, ein nettes Gesicht zu finden, das einen geraden Satz herausbringt. Wo ist der George Grosz, der diese Szene malt?

Dabei kommt Schimmeck auch auf die INSM und andere neoliberale Lobbyisten in Berlin zu sprechen:

Wer sich in den Dschungel der Marktwirtschaftsguerilla von Mitte begibt, staunt über das rege Zusammenspiel. Die “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” (INSM) hat Kooperationen mit vielen Zeitungen und TV-Anstalten. Man lässt Lectures halten, wo zum Beispiel ein Lord Ralf Dahrendorf verkünden darf, dass die “alte soziale Marktwirtschaft” nun “am Ende” sei. Man verleiht Preise wie den “Reformer des Jahres” und den “Blockierer des Jahres”. Man organisiert Symposien, sponsert Filme und Publikationen. Das Ziel: ein Maximum an Showtime ergattern.

Die INSM steht nicht allein. Organisationen wie “Marke Deutschland”, der “Bürgerkonvent” und “Deutschland packt’s an” stoßen ins gleiche Horn. Man hat sogar einen Dachverband gegründet, die “Aktionsgemeinschaft Deutschland”. Beim Anpackerverein, unter Schirmherr Roman Herzog, sind alle dabei, die Rang und Namen haben: der BDI, DaimlerChrysler, Kienbaum, wieder Scholz & Friends, dazu das komplette Privatfernsehen, das ZDF und fast alle Verlage.

(…)

Und alle sagen unisono: “Die Arschlochquote steigt.”

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen…

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