Zeitarbeit: Skrupellose Ausbeutung ein christlicher Wert?

In einem Interview bei n-tv.de fordert DGB-Chef Michael Sommer vehement die Einführung eines Mindestlohns von 7,50 Euro. Dass Arbeit immer häufiger arm macht, weil die Löhne in den Keller gedrückt wurden, während die Gewinne, Renditen und Vorstandsgehälter explodieren, war ja auch McSPIEGEL neulich aufgefallen, als dort die Stürmerwochen vorbei waren. Besonders prekär sieht es laut Sommers Schilderung wohl in der Zeitarbeits-Branche aus, die für mich nichts anderes darstellt als modernen Menschenhandel und Parasitismus der BWLer am arbeitenden Volk:

Jeder achte Beschäftigte verdiene dort so wenig, dass er seinen Lebensunterhalt nicht allein bestreiten könne und zusätzlich auf staatliche Leistungen angewiesen sei. Dies mache deutlich, dass ein Mindestlohn von 7,50 Euro eingeführt werden müsse.

Wobei ich 7,50 Euro als Mindestlohn für wesentlich zu tief gestapelt halte. Wir sollten uns an denen orientieren, die uns sonst immer als Vorbild propagiert werden: die Konzernchefs. Bei denen lagen beispielsweise die Einkommenssteigerungen innerhalb eines Jahres kräftig im zweistelligen Bereich. Ich wundere mich daher, dass die Gewerkschaften nicht mit mindestens 15-20 Prozent Steigerung inklusive Ausnahmen für schlecht laufende Betriebe in die Tarifverhandlungen gehen. Ein Jahr Wohlverhaltensphase und dann weiter nach Manager-Maßstab für Steigerungen kämpfen. Es kann doch nicht angehen, dass die Unternehmen hier Rosinenpickerei betreiben nach dem Schema die „die Löhne von China, die Managergehälter der USA und die Preise und Lebenshaltungskosten von Deutschland“. DAS funktioniert nicht, liebe BWL-Fachidioten, weil noch irgendwer Steuern zahlen muss, wenn es schon die Konzerne nicht tun, denn Infrastruktur gibt es bekanntlich auch nicht kostenlos.

Sommer weiter:

Ein erheblicher Teil der Leiharbeitnehmer befinde sich also in prekären Verhältnissen, da er seinen Lebensunterhalt nicht aus eigener Kraft sichern könne, bemängelte Sommer. Dabei handele es sich vorwiegend um Angestellte von Firmen, die den DGB-Tarifvertrag mit der Branche unterliefen und mit „so genannten christlichen Gewerkschaften“ niedrigere Abschlüsse vereinbart hätten, betonte der DGB-Chef.

Christliche Gewerkschaften? Wollen diese christlichen Gewerkschaften die Sklaverei wieder einführen? Sind das zufällig evangelikale Kreise mit wörtlicher Bibelauslegung? Oder einfach kaschierte Arbeitgeberverbände, die mit christlich so viel am Hut haben wie die CSU und mit sozial so viel wie die INSM?

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