Einseitige Parolen der INSM – präsentiert u.a. von Oswald Metzger

Ich berichtete heute Mittag über Reinhard Bütikofer, einen Politiker der Grünen, der sich erfolgreich gegen die Verwurstung seiner Person durch die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft wehrte und deren neoliberale, marktradikale Politik ablehnt. Es gibt aber auch noch einen anderen Grünen. Ob der nun wirklich noch politisch grün ist oder ob er nur deshalb noch in der Partei ist, um sich besser für die INSM verkaufen zu können, sei dahingestellt: Oswald Metzger, über den bei Wikipedia folgendes zu lesen ist:

Der Tagesspiegel vermutet in einem Artikel von Harald Schumann eine materielle Beziehung in Form von Auftragsvermittlungen der INSM u.a. an Oswald Metzger: „Die Allianz von Prominenz und PR folgt dem Prinzip der gegenseitigen Instrumentalisierung. Die ‚Botschafter‘ propagieren einzelne Slogans der ‚Initiative‘ und verschaffen ihr Glaubwürdigkeit. Im Gegenzug fungieren berolino.pr sowie Scholz & Friends als Agenten, die ihren Schützlingen zu guten Auftritten und Medienpräsenz verhelfen.“

Dieser Vermutung schließe ich mich an. Denn meiner Meinung nach ist es vollkommen egal, wer die Vorträge von Metzger bezahlt, es geht ja immer wieder nur um das gleiche platte Geschwafel nach dem Schema Mehr Reformen! und Der Sozialstaat muss weg! Ok, letzteres sagt niemand dieser Leute offen, aber das dürfte nach meiner Einschätzung durchaus eines der Ziele der INSM sein. Denn was weg ist, kann die Arbeitgeber ja nichts mehr kosten. Außerdem wage ich zu bezweifeln, dass Metzger weiterhin seine luxuriös vergüteten „Vorträge“ vermittelt bekäme, wenn er nicht mehr als Botschafter der INSM durch die Öffentlichkeit wandelte.

Beim NDR gibt es einen Bericht über die INSM, in dem auch Oswald Metzger unter die Lupe genommen wird. Titel: Einseitige Parolen – Arbeitgeber finanzieren journalistische Inhalte. Den Bericht gibt es übrigens auch als Video, in dem Oswald Metzger alles andere als eine gute Figur macht. Zunächst erzählt er stolz und freimütig von seinem ordentlichen Honorarsatz in Höhe eines durchschnittlichen Monatsgehalts pro Abend. Angesprochen auf seine Rolle für die INSM antwortet er ausweichend mit einer Gegenfrage:

„Sind Sie von Attac bezahlt? Ich will jetzt Ihnen nur spiegeln wie ich das empfinde, was sie grad machen. Also ich find das fast unverschämt.“

Gähn. Erstens ist Attac unabhängig. Zweitens vergibt Attac keine luxuriösen Nebenjobs für Leute wie Metzger, die außer einem abgebrochenen Jura-Studium und Politik im Leben nichts geleistet haben. Na gut, da ist noch sein Geschreibsel in einem Buch mit dem Titel Einspruch, aber auch da tritt Metzger vorrangig die üblichen Mehr Markt! – Plattitüden breit. Man könnte es aber auch einfach als eine Art Werbebroschüre für Neoliberalismus und Marktradikalismus bezeichnen. Erschienen übrigens in der Verlagsgruppe Random House, die zu Bertelsmann gehört. Dann ist da noch Metzgers Hinweis auf das Spiegeln. Wenn man einmal davon absieht, dass so ein hauptberuflicher Lobbyist in meinen Augen noch am ehesten eine Darmspiegelung mit einem angespitzten Flaggenmast verdient hätte, ist diese Äußerung wohl bezeichnend für Metzgers besonders wertvolle Kompetenz. Das Spiegeln in der Kommunikation ist ein Begriff aus der Neurolinguistischen Programmierung (NLP), einer in Manager- und Verkäuferkreisen seit geraumer Zeit besonders trendigen Methode in der Kommunikation, garniert mit einem Touch Esoterik. NLP verspricht beispielsweise Schlagfertigkeit und Überlegenheit in diversen Situationen der Kommunikation, z.B. in Diskussionen oder Verkaufsgesprächen. Ich habe selbst ein mehrtägiges Grundlagen-Seminar zu NLP besucht und halte das Ganze für eine lächerliche Dampfplauderei und eine wohlklingend verpackte Professionalisierung von Heuchelei mit dem Ziel der Manipulation des Kommunikationspartners. Faire und offene Kommunikation sieht jedenfalls anders aus. Aber irgendwie passt das mit der Manipulation ja auch wieder gut zur INSM, oder? Im Übrigen wäre es interessant, ob Metzger die Frage des NDR-Reporters auch dann unverschämt gefunden hätte, wenn er anstatt für die INSM für die NPD unterwegs wäre. Wahrscheinlich schon, allerdings ändert das schlichtweg nichts an den Fakten. So schlagfertig und überlegen ist man also mit NLP – grandios! 😆

Genug gealbert. Inzwischen gibt es auch bei der Tageszeitung jungeWelt einen Artikel zum Thema Unicheck.de, in dem neben der INSM auch das Magazin UNICUM angesprochen wird:

Bis man sieht, daß für die Internetseite Unicheck.de, auf der »abgestimmt« und »mitbestimmt« werden soll, die »Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft« (INSM) verantwortlich zeichnet – eine einflußreiche neoliberale Lobbyorganisation, die auf Medienmanipulation spezialisiert ist. Ein Höhepunkt ihres Schaffens war die Zahlung fünfstelliger Eurobeträge an die ARD, die sich damit bedankte, Figuren ihrer Seifenoper »Marienhof« unter anderem Lobeshymnen auf »Eigeninitiative«, unbezahlte Überstunden und Zeitarbeit in die Münder zu legen.

Bei Unicheck.de sollen sich Studierende nun darüber informieren und austauschen, wie von den Universitäten eingenommene Studiengebühren wieder ausgegeben werden. »Wir diskutieren nicht mehr, ob Gebühren oder nicht, sondern jetzt sind sie da und wir schauen, was wird mit Eurem Geld gemacht«, zitiert der Unispiegel eine Ankündigung der Betreiber. Die kritiklose Anerkennung von Studiengebühren, die ja tatsächlich erst in fünf Bundesländern »da« und höchst umstritten sind, wird zum Akt der Emanzipation umgeschminkt – allen Ernstes mit einem Megaphon als Logo und dem Slogan »Zeig der Uni deine Macht«.

Ebenso hat Die Linke im POLIXEA-Portal eine Stellungnahme zum Thema Studiengebühren und Unicheck.de veröffentlicht:

Das neue Online-Portal http://www.unicheck.de ist ein weiterer billiger Versuch, Studiengebühren als Normalität erscheinen zu lassen und den Protest gegen ihre Einführung zu schwächen. Hinter dem Projekt steht die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), die bereits in der Vergangenheit immer wieder als Lobbyverband zur Einführung von Studiengebühren aufgetreten ist. Sie behauptet, neutral und überparteilich zu sein. Finanziert wird sie jedoch vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall.

Die Strategie des Projekts von http://www.unicheck.de ist leicht zu durchschauen: Mit dem Motto „Abstimmen. Mitbestimmen.“ wird den Studierenden vorgemacht, hier hätten sie was zu sagen. Statt gegen Studiengebühren auf die Straße zu gehen und für gebührenfreie Bildung zu kämpfen, sollen sie brav ihre Gebühren zahlen und dann bei unicheck.de ein paar Kreuzchen machen. Studierende wollen Gebühren zahlen, die in die Lehre fließen, so die Botschaft der Arbeitgeberlobby. Das ist eine Verdrehung der Tatsachen. Es geht den Studierenden nicht um eine andere Verwendung der Gebühren. Sie fordern stattdessen ein gebührenfreies Studium.

Hoffen wir, dass sich diese klare Sicht auf die INSM und deren Propaganda auch noch in der neoliberalen Einheitspartei CDUCSUSPDFDPGrüne und in der Großen Korruption in Berlin durchsetzt. Ein guter Anfang wäre es, wenn zumindest bei den Parteien, deren Namen nicht mit C oder F beginnen, INSM-Lobbyisten aus der Partei ausgeschlossen würden. Und da sollten die Grünen mit Oswald Metzger den ersten Schritt machen. Das würde zwar wahrscheinlich nicht seine Tätigkeit für die INSM beenden, aber vielleicht zumindest seine Vortragshonorare schrumpfen lassen. Warum wohl?

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One Response to Einseitige Parolen der INSM – präsentiert u.a. von Oswald Metzger

  1. Boeser Blick sagt:

    Die Union kann sich allenfalls eine gesetzliche Ächtung sittenwidriger Löhne vorstellen.

    Von Arbeit muss man leben können. Wir brauchen den GESETZLICHEN MINDESTLOHN. Jetzt mit 7,50 Euro beginnen und schrittweise auf 9,00 Euro erhöhen. Warum wird da so heftig gestritten ?
    Lest mal hier im Blog – INSM – Initiative Neue Soziale Marktwirtsch…

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