Pannen bei unicheck.de sponsored by INSM

Das neue INSM-Propaganda-Portal für Studenten, http://www.unicheck.de, wurde heute offiziell für die Öffentlichkeit freigegeben. Dumm nur, dass es schon vorab die eine oder andere Panne bei der Bewerbung von unicheck.de durch „studentische Redakteure“ bei den ASten und anderen Studentenvertretungen gab. Die hatten nämlich die Unwahrheit über den Hintergrund von unicheck.de verschwiegen, dass es sich lediglich um PR für Studiengebühren handelt, initiiert von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). So sollen die Studenten auch nicht über die Studiengebühren an sich diskutieren, sondern nur darüber, wie die Universität mit den Mitteln umgeht und wo man „am meisten Studium für sein Geld bekommt.“ Dafür belästigen Mitarbeiter von Unicheck die Universitätsmitarbeiter und rauben ihnen die Zeit für die Beantwortung von Fragen in sinnfreien Fragebögen, die am Telefon abgehakt werden. Auch die NachDenkSeiten berichten über diese INSM-Kampagne mit Studenten als Zielgruppe. Zudem wurde man wohl auch auf meinen Artikel über die Suchmaschinenoptimierung der INSM aufmerksam.

Prinzipiell ist Suchmaschinenoptimierung nichts Verwerfliches, solange transparent mit offenen Karten gespielt wird. Wie man am Beispiel Unicheck aber gesehen hat, ziert man sich da noch ein wenig bei der INSM und ihrem wissenschaftlichen Zuarbeiter, das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Das Maß des Anständigen wird aber dann überschritten, wenn gezielt bestimmte Begriffe besetzt werden sollen, zu denen man einseitig ideologisch verblendete Konzepte und Modelle in der Öffentlichkeit penetrieren will. Denn dabei werden Alternativen verdrängt und die Meinungsvielfalt beschnitten – natürlich mit manipulativer Intention. So bietet die INSM auf der Website http://www.wirtschaftundschule.de entsprechend getünchte Unterrichtsmaterialen für Lehrer an, mit denen wirtschaftliche und soziale Themen bearbeitet werden sollen, während unter der Adresse http://www.wassollwerden.de, in Kooperation mit m-tv, Orientierung und Bewerbungshilfen angeboten werden, aber man kein Wort darüber verliert, dass fehlende Ausbildungsplätze und Arbeitslosigkeit die Folge eines Systemfehlers im Kapitalismus sind. Es soll hingegen vermittelt werden, dass Arbeitslosigkeit ein ausschließlich individuelles Problem sei und man sich dann nur nicht richtig beworben oder vorbereitet habe.

Weitere Maßnahmen der INSM sind Microsites wie http://www.insm-gesundheit.de, die sich nur mit einem spezifischen Thema beschäftigen. Hier wartet die INSM beispielsweise mit dem Gesundheitsökonomen Prof. Peter Oberender auf, den ich auf Grund seiner Forderungen nach einem freien Organhandel nur noch als den Gunther von Hagens oder Dr. Frankenstein der Gesundheitspolitik bezeichnen kann. Sonst sitzt man demnächst mit Begleitung im Restaurant und anstatt dass man beispielsweise von einem Inder gefragt wird „Wolle Rose kaufen?“, gäbe es dann passend zum Dessert die Frage „Wolle Niere kaufen?“ Dazu ein Zitat von Transplantation-Information:

„Mit Organen werde ohnehin gehandelt, nur gegenwärtig zu menschenunwürdigen Bedingungen“, so der sogenannte Gesundheitsökonom Prof. Peter Oberender am 12.05.2004 im SPIEGEL ONLINE.

Mit dieser abwegigen Argumentation, begründet der sogenannte Gesundheitsökonom Prof. Peter Oberender eine „völlige Legalisierung des Organhandels“. Illegales, das unter menschenunwürdigen Bedingungen stattfindet und nicht kontrolliert und abgeschafft werden kann, sollte „völlig“ legalisiert werden? Mit dieser Logik ließe sich auch die Legalisierung von Kinderprostitution begründen. Sie ist illegal und findet dennoch unter menschenunwürdigen Bedingungen statt.

Das ist pure neoliberale Ideologie: jeder Teilbereich des Lebens als ach so perfekter Markt, ohne Rücksicht auf Menschen und deren Würde. Aber für sich selbst wollen solche Leute ihren Blödsinn nicht gelten lassen:

Menschen wie Prof. Oberender würden ja auch nicht zu den Verkäufern gehören („Meine Nieren sind gegenwärtig unverkäuflich. Das Risiko ist mir zu hoch.“).

Da ist es wieder, das Schema der Neoliberalen: Wein saufen und Wasser predigen. Andere sollen leiden und bluten, damit solche Leute bei Bedarf mal eben ein defektes Organ austauschen können wie die Autowerkstatt ein defektes Bauteil bei der Inspektion. Nein danke! Dazu fällt mir nur noch eines ein:

Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe!

PS: Zum Thema Unicheck, INSM und Studiengebühren gibt es inzwischen auch beim Bochumer Sozialforum einen passenden Artikel. Bleibt zuhoffen, dass das Gros der Studenten intelligent und kritisch genug ist, der albernen Propaganda- und Ablenkungsveranstaltung unicheck.de die kalte Schulter zu zeigen.

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