Mindestlohn: 3:1 für den Neoliberalismus bei BILD

Als ich gestern Morgen beim Bäcker etwas länger warten mußte, schnappte ich mir eine der dort herumliegenden BLÖD Zeitungen und schaut nach dem Bericht zum Thema Mindestlohn.

Die gewohnt reisserische Überschrift lautete:

Mindestlohn! Vier führende Experten sagen, ob er gut oder schlecht für den Aufschwung ist

Der Artikel ist auch online abrufbar. Es reicht zu sehen, welche vier „Experten“ BILD da befragt hat, um das Ergebnis zu kennen:

  • Prof. Bert Rürup, Wirtschaftsweisen-Chef
  • Prof. Hans-Werner Sinn, Ifo-Institut
  • Prof. Klaus Zimmermann, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)
  • Gustav Horn, Hans-Böckler-Stiftung

So hat man bei BILD immerhin eine einzige vernünftige Meinung abgedruckt, nämlich die von Gustav Horn von der Hans-Böckler-Stiftung:

Ein Mindestlohn würde den Aufschwung nicht gefährden. Die USA und England haben mit Mindestlöhnen kräftigere Aufschwünge gehabt als wir. Arbeitsplätze würden wegen der höheren Nachfrage nicht verloren gehen, allerdings würden in manchen Bereichen die Gewinne fallen und die Preise etwas steigen.

Die restlichen drei Professoren sind allesamt bereits hinlänglich als blinde Prediger des Neoliberalismus, des Sozialraubs und der Entrechtung der Arbeitnehmer bekannt und so fallen auch ihre Kommentare aus: Bloß kein Mindestlohn, bloß kein Schutz der Arbeitnehmer, bloß keine Belastungen für die Arbeitgeber und vor allem bloß keine geringeren Renditen!

Es ist bezeichnend, dass das neoliberale Professoren-Trio bei Forderungen nach mehr Sozialabbau, geringeren Löhnen und längeren Arbeitszeiten gerne sofort aufs Ausland verweist, während beim Thema Mindestlohn elegant verschwiegen wird, dass in den USA und in den meisten anderen EU-Ländern Mindestlöhne schon lange Realität sind. Und dort ist deswegen weder die Welt untergegangen noch die Wirtschaft zusammengebrochen, im Gegenteil. Bezeichnend ist aber auch, dass die BILD den letzten Satz von Prof. Klaus Zimmermann (DIW) fett gedruckt hat als sei er das unumstößlich wahre Resüme des Artikels.

Sehr verlogen ist auch das Interview mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)  zum Thema Mindestlohn bei dem Springer’schen Desinformationsblatt BILD:

Ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn ist aber die falsche Antwort, denn er kann den vielen Unterschieden von Branchen und Regionen in Deutschland nicht gerecht werden. Und wir würden damit nach Einschätzung von Experten Arbeitsplätze vernichten.

Komisch aber, dass beispielsweise der bundesweit einheitliche Regelsatz des ALG2 trotz der vielen Unterschiede in Regionen und Familien offenbar kein Problem darstellt. Auch die bundesweit einheitliche Höhe des Kindergelds und viele andere Regelungen, zu denen bundesweit einheitliche Sätze existieren, sind unproblematisch. Wieso sollte es also beim gesetzlichen Mindestlohn anders sein? Und was von den „Experten“, die BILD da aufgetrieben hat,  zu halten ist und wie deren Ergüsse bewertet werden müssen, habe ich ja bereits erwähnt.

Enteignet Springer! 

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One Response to Mindestlohn: 3:1 für den Neoliberalismus bei BILD

  1. Mindestlohn wird erhöht ab Juli auf 8,44 Euro – in Frankreich.

    In Frankreich wird der Mindestlohn auch unter der konservativen Regierung Sarkozy zum 1. Juli von 8,27 Euro auf 8,44 Euro pro Stunde erhöht. Der dynamisch festgelegte Mindestlohn dient dazu, die soziale Schere zu schließen. Der allgemein garantierte,…

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